"Klonen ist ein Glücksfall"

Interview mit He Zuoxiu, Ratsmitglied der Akademie der Wissenschaften

Bei der Abstimmung in den Vereinten Nationen im Februar stimmte China mit 35 Staaten für die Freigabe therapeutischen Klonens. 71 Staaten, darunter die USA und Deutschland, lehnten jegliches Klonen ab. 43 enthielten sich. Über Chinas Haltung sprach Johnny Erling mit He Zuoxiu (78), Physiker und Ratsmitglied der Akademie der Wissenschaften.

"DIE WELT: Wie weit ist Chinas Klonforschung?

He Zuoxiu: Wir unterstützen und fördern therapeutisches Klonen. Bei uns werden die gleichen Experimente wie in Südkorea gemacht. Ich bin sicher, dass wir bald von ähnlichen Ergebnissen hören werden. Ich weiß, dass viele Forscher bei uns daran arbeiten.

DIE WELT: In einer Debatte im chinesischen Fernsehen sagten Sie kürzlich, Sie sehen auch keine Probleme im reproduktivem Klonen?

He: Wir erlauben das nicht. Wenn es aber um die Frage der Forschung geht, bin ich vom Prinzip für die Freigabe von beiden Arten des Klonens. Wo ist der Schaden? Wo ist denn der Unterschied zwischen einem Klon und einem auf natürliche Weise geborenen Zwilling? Für mich ist aber das stärkste Argument gegen reproduktives Klonen, dass es derzeit keinerlei praktischen Wert hat. Wenn ein Elternpaar heute kein Kind bekommen kann, aber eines will, kann es sich seinen Wunsch über ein Retortenbaby erfüllen. Klonen ist im Vergleich viel zu kompliziert.

DIE WELT: Akzeptieren Sie als einflussreicher Naturwissenschaftler Tabus für die Forschung?

He: Ja. Wir dürfen nicht zulassen, dass Mensch und Tier vermischt werden. Hier wären die Folgen unabsehbar. Ansonsten ist therapeutisches Klonen ein Glücksfall für die Menschheit.

DIE WELT: Ist die Handfertigkeit der Mediziner ein Grund, dass die ersten embryonalen Stammzellen in Asien gewonnen wurden?

He: Europäische Hände sind genauso geschickt. Der Grund ist, dass immer mehr Labors daran arbeiten und die erste Phase vor der Organentwicklung technisch keine Probleme bereitet. Therapeutisches Klonen wird zur besten Methode, um kranke Organe zu ersetzen, Krankheiten zu heilen - kein Weg führt daran vorbei. Klonen verhindert die Organabstoßung.

DIE WELT: Was sind Chinas Vorteile?

He: Wir stehen unter keinem religiösen Einfluss oder lassen uns von einer sogenannten Debatte über "Menschenrechte" einengen, wann und was ein Mensch ist. Das sind Fragen, zu denen in den USA der Präsident die Antworten vorgibt.

DIE WELT: Und Ihre Definition?

He: Ein Mensch lebt, wenn sein Gehirn lebt. Umgekehrt ist er tot, wenn sein Gehirn gestorben ist. Uns fehlen dafür noch vereinheitlichte Definitionen und Standards. Das gilt nicht nur für therapeutisches Klonen. Wir haben etwa eine Geburtenpolitik, die Abtreibungen erlaubt. Natürlich muss das freiwillig sein. Hier empfinde ich die möglichen Fristen als viel zu lang, während beim therapeutischen Klonen die Vorschrift, Föten nur bis maximal 14 Tage zu verwenden, viel zu kurz ist. Das könnte geändert werden, wenn das Kriterium für Leben ist, ob ein Gehirn sich entwickelt hat."

   

 


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